Sommer, Sonne & ein neuer Blog

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Urlaub in Deutschland

Der Hund liegt faul im Gras und lässt sich von den vielen Fliegen ärgern, die sein Fell umschwirren. Kennt er ja nicht aus der Stadt. Der Bauer von nebenan, der uns Fremdlinge seit Tagen im Visier hat schüttelt den Kopf über Willis Dummheit. „Is sich wohl zu fein, der Köter. Nüscht gewöhnt. An die Kette gehört der.“ Ich hab ihn dann schmunzeln gesehen. Er meint’s nicht so. Nur ein bisschen vielleicht. Traumsommer in Mecklenburg Vorpommern. Kurz vor Usedom. Kurz vorm Haff. Die Sonne erhitzt die trockenen Kiefernnadeln. Es duftet nach ihnen. Und nach Blaubeeren. Der Wald ist voll davon. Wir gehen sammeln und es dauert ewig, bis wir genug für Kompott zusammen haben. Mir fällt es schwer nicht von ihnen zu probieren. Erst Abkochen hat Mama gesagt. Fuchsbandwurmgefahr. Auch so ein Begriff aus meiner Kindheit. Kompott war der erste. Ich knie bestimmt 2 Stunden in den Büschen und denke über wenig nach. Später gibt es dann Eierkuchen. Ich improvisiere ein bisschen das Rezept und wir haben alle Glück, dass es gelingt. Der Wind kühlt uns in der Mittagshitze ab. In Berlin ist es kaum auszuhalten, erfahren wir. In Köln ziehen schon wieder Unwetter über die Stadt. Ich traue mich unter die Gartendusche. Es ist so kalt, dass ich laut singen muss. Zum Glück schaut der Bauer nicht rüber. FKK muss ja nun wirklich nicht sein. Dafür gibt’s ja wohl Bansin und Ückeritz. Wir lesen von Badeunfällen an der Ostsee und sind froh im Hinterland zu sein. Nachmittags nehmen wir die Fahrräder und radeln zum See. Dem Hund hängt die Zunge raus. So lange Strecken ist er gar nicht gewöhnt. Doch ein Stadtköter. Als er das Wasser erreicht, ist er kaum noch zu halten. Wir springen auch hinein und er versucht uns zu retten. Auf dem Rückweg entdecken wir Storche auf den Feldern. Sie picken Mäuse oder Erntereste. Ein Mann steht am Rand und beobachtet sie durch ein Fernglas. Abends wird es ruhiger. Irgendwo wird noch Rasen gemäht. Ich zähle drei Autos in zwei Stunden. Die Hofhunde bellen zur Nacht und unser liegt am Tor. Das macht er sonst nie. Später wehrt er sich am Feldweg Gassi zu gehen. Als wir das dem Bauer sagen, heißt es: „Wegen der Wölfe. Die kommen von Polen rüber“. Braver Hund. Ich lese bis es zu dunkel wird und gehe lieber früh ins Bett. Wenn ich alt bin, will ich auch hier sein. Und ich will einen Garten und vielleicht eine Kuh zum Melken. So ein Blödsinn. Ich denke an die Stadt und das Leben, das mich dort wieder erwaretet und bin froh, dass es unendlich weit weg scheint. Im April war ich in Amerika und habe nachts in den Smokey Mountains geweint, weil der Abstand nicht reichte.

 

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