Debut, Tour und Preise

Hallihallo ihr Lieben,

die letzten 2 Wochen verliefen rasant wie im Fluge und manchmal musste ich mich heimlich in die Wange zwicken. Ist das wahr, was hier gerade passiert? Als erstes bin ich den Kölnmarathon gelaufen! Jaja, auch wenn ein Veranstalter zu mir meinte: „Höhö- Musik und Laufen. Passt ja gar nicht.“ So ein Quatsch. Das ist dufte und macht Spaß. Dann habe ich die tolle Nachricht erhalten, dass ich von der Deutschen Gesellschaft, der Nationalstiftung und dem Bundesministerium des Inneren den 1. Preis für mein Essay über 25 Jahre Deutsche Einheit erhalten habe. Zu Tränen war ich gerührt und das ist nicht minder gelogen. Der Text wird 2016 in einer Essaysammlung im Mitteldeutschen Verlag erscheinen. Mein Traum war es immer ein Buch zu schreiben und als Jungautorin mit 16 Jahren entdeckt zu werden. 30 ist ja bekanntlich die neue 16, ein Essay von 5 Seiten die neue Form des Buches – insofern alle Träume erfüllt!

Ich bin gespannt auf die Verleihung. Vielleicht ist ja Herr Gauck da und die Frau Merkel. Und wenn ja, dann kriegen die alle eine Erna CD, denn die kommt jetzt auch raus. Morgen geht’s auf nach Berlin ins alte RIAS Studio. Ich werde gleich mehrere Interviews geben und ein kleines Liedlein singen. Da mein Klavier und die Band nicht ins Handgepäck passt, muss ein Casio reichen.

Auch die ersten Rezensionen erscheinen langsam. Und ich bin begeistert von allen wohlwollenden Worten. Bitte lass das kein Traum bleiben – es fühlt sich gerade sehr gut an!

 

Neues Video

Pünktlich zum Release gibt’s ein feines Video zum Lieblingslied „Grauer Beton“.

Merkt euch den 31.März im Kölner Loft. Da geht’s rund. Wir sind aufgeregt!

Neue Rezensionen & was die Zukunft bringt

Liebe Menschen,

wir haben in der letzten Zeit viele Konzerte gespielt, die uns unglaublich viel Spaß und Freude bereitet haben. Jetzt bereiten wir uns auf das Releasekonzert im LOFT Köln vor. So langsam wird es ernst. Die CD wird bald erscheinen, wir planen eine lange Tour, haben ein Musikvideo gedreht, Interviews geführt, Fotos geknipst und und und…

Anbei möchte ich euch 2 schöne Rezensionen nicht vorenthalten. Die eine findet ihr im Kölner „Draussenseiter Magazin“ und beschreibt mit schmeichelnden Worten unser Album.

Die zweite kommt aus Herford, wo wir letzte Woche im Rahmen des Hot Jazz Clubs gespielt haben.

Wir freuen uns auf den Frühling, auf die gute Laune und auf eine ernareiche Zeit!

Bis bald,

Erna

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Jannowitzbrücke – eine Kurzgeschichte

 

„Mein Herz schlägt zu langsam“, sagte er zu mir. Und in seinen Augen konnte ich einen Anflug von ernsthafter Furcht entdecken. Irgendwo weiter hinten.

Vielleicht am Glaskörper – vielleicht schon gar nicht mehr im Auge, sondern da ,wo das Gehirn anfängt.

Also nahm ich meine Hand, legte sie ihm auf die Brust und zählte etwa eine Minute lang Schläge. Einhundertzwei, einhundertdrei, einhundertvier. Dann ließ ich sie fallen und streifte sie unauffällig an meiner Hose ab – so, als würde etwas Dreck daran kleben.

„Ich bin doch aber gar kein Arzt“, schüttelte ich den Kopf.

„Vergleiche mal mit deinem. Dann weißt Du, was ich meine.“ Und als er das sagte musste ich schlucken, aber befolgte und konzentrierte mich geduldig auf unsere beiden Herzen. Sein langsames und mein zu schnelles.

„Und?“

„Warte, ich zähle noch“, log ich, um noch ein bisschen Zeit zu gewinnen.

Fast ein Dreivierteltakt. Er ein Schlag, ich zwei. Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, eins, zwei, drei…

Dann wurde er ungeduldig und wollte selbst fühlen.

„Lass mich mal. Ich kann das besser.“

„Das ist doch absurd“, trat ich schnell einen Schritt zurück, sodass seine Ringfingerkuppe gerademal im Ansatz meinen Pullover strich, nicht aber meinen Körper.

„Am Besten gehst Du jetzt schlafen“, sagte ich ganz hart und ganz bewusst.

„Das kann ich nicht. Was ist, wenn ich nicht mehr aufwache? Wenn es einfach stehen bleibt?“

„Mach dich nicht lächerlich. Wer herzkrank feiern kann, kann auch schlafen.“

„Du hast ja keine Ahnung!“

Und ob.

***

Er hatte mich aus dem Club gezerrt. Gerade als ich mir mit kaltem Wasser den Nacken ausgewaschen habe und zurück auf die Tanzfläche wollte, kam er zu mir. Aufgewühlt. Sein Gesicht fahl, weiß, irgendwie auch grau. Wo einmal seine Augen waren, klebten jetzt Hautfalten aufeinander, die mich anstarrten. Fremd. Sehr fremd. Ich schämte mich für ihn.

„Ich muss hier raus“, hatte er gesagt. Dann nahm er meine Hand und ich folgte ihm in die Nacht. Und gezittert hat er, am ganzen Körper. Ich habe ihn noch nie so klein gesehen. So erbärmlich, ohne Stolz.

„Das kommt von den Drogen“, versuchte ich ihn zu beruhigen, aber er ließ meine Hand dabei nicht los. Ein richtiges Klammeräffchen schoss es mir durch den Kopf.

Ich befahl ihm an Ort und Stelle stehen zu bleiben und auf mich zu warten bis ich unsere Mäntel geholt hatte. Natürlich konnte er seine Marke nicht finden und das Mädchen an der Garderobe verlangte fünf Euro extra. Ich lächelte sie an und sagte ihr, dass ich das an ihrer Stelle wahrscheinlich auch so machen würde.

Als ich zurückkam war er nicht mehr da. Fast war ich froh darüber, doch dann sah ich ihn auf der Brücke stehen. Genau in der Mitte. Eine Hand auf seinem Herzen, die andere auf der Schläfe. Langsam hin und her reibend. Zweivierteltakt. Ein trauriger Tango.

Als ich näher kam konnte ich auch seine faltige Stirn erkennen. Eine Sorgenstirn. Meine Güte.

„Da bist Du ja.“ Ja, da bin ich.

Ich half ihm in seinen Mantel, knöpfte ihn zu, gab ihm meinen Schal und ein Stück von der Schokolade, die ich noch schnell am Kiosk gekauft hatte.

„Keiner liebt mich. Niemand.“

„Doch, doch. Ich liebe dich zum Beispiel. Und deine Mutter und dein Vater. Eva. Hannes. Ganz viele lieben dich.“

Er sackte über die Brüstung zusammen und begann zu schluchzen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte und daher tat ich erst einmal rein gar nichts, außer auch ein Stück Schokolade zu essen und dichter an ihn heran zu rücken.

***

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Die Lichter der Stadt verschwammen jetzt allmählich je länger ich in die Ferne starrte. Der Winter kam in großen Schritten. Die Luft war trocken und es roch nach gefrorener Erde. Und nach Benzin. Der Verkehr nahm bereits seinen gewohnten Gang zur Arbeit. In der vierzehnten Etage eines Hochhauses von der Fischerinsel leuchtete einsam ein erster Weihnachtsstern auf. Rot, gelb und grün. Immer im Wechsel. Rot, gelb, grün, rot, gelb, grün, rot, gelb, grün…

Auch ein Walzer.

Ich wühlte in meiner Tasche und zog die Schokolade wieder hervor. Er immernoch ganz still neben mir. Irgendwo weit weg in Gedanken um sich selbst. Man hat es schon nicht leicht.

„Willst Du auch?“ Kopfschütteln.

Mit seinen Ellenbogen stützte er sich auf das Geländer, die Hände ineinander verschlossen und dann spuckte er ins Wasser der dunklen Spree.

„Kannst Du mich vielleicht nach Hause begleiten“, fragte er mit dem Gesicht zum Wasser gerichtet.

„Ich kann in Dein Fenster schauen. Siehst du? “ Ich zeigte recht ungenau in den Himmel. Für Fremde hätte es so aussehen können, als würde ich meinem Liebsten von den Sternen erzählen.

„Aber ich bin einsam.“

„Na und.“

„Bitte, Aileen.“

„Ich bin keine Mutti.“

Dann seufzte er ganz tief und ließ trotzig den nächsten Spuckefaden aus seinen Mund geiten. Igittigitt.

„Du bist immer so konsequent. Das ist anstrengend“, sagte er herablassend, sodass ich gleich zwei Mal schlucken musste. Ich spürte wie die Wut in mir aufstieg und mein Herz noch schneller schlug. Viervierteltakt. Eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier…

„Ach ja? Ist es das Selbe wie vernünftig oder brav?“

Sein rechtes Bein baumelte bei meinen Worten zwischen dem Geländer hin und her. Kurz stieß er mit der Schuhspitze an.

„Keine Ahnung. Mir ist schlecht.“

„Ich kann’s nicht mehr hören.“

In zwei Stunden legten die ersten Dampfer in Richtung Hackescher Markt ab. Ich werde warten und einfach mitfahren, dachte ich und war froh darum, dass er endlich seinen Mund hielt. Bei dem Gedanken ihn ins Bett zu bringen kam ich mir gleich zehn Jahre älter vor und ich vergaß für einen Moment den roten Lippenstift auf meinem Mund. Blitzschnell zog ich meine Handtasche hervor, griff zum Taschenspiegel und sah in mein Gesicht. Alles gut.

Ich bin immernoch schön!

Er drehte sich jetzt leicht zu mir. Müde, gelangweilt, ein Ausdruck von Nörgelei.

Seine Oberlippe war noch nass von vielem Spucken. Er kam nicht einmal auf die Idee wenigstens mit seiner Zunge drüber zu fahren. Von Anstand hielt er nicht sehr viel.

„Willst Du Dich jetzt noch schminken?“

„Halt die Klappe!“

„Puhuhu.“ Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, eins, zwei, drei…

Dann wieder jeder für sich. Wie festgeklebt blieb ich bei ihm stehen. Die Sonne ging in einer Stunde auf. Eine junge Frau lief an uns vorbei. Ihren Schal hatte sie tief ins Gesicht gewickelt. Die Augen ganz abwertend auf uns. Sicherlich war sie mindestens sechs Jahre jünger als wir. In der einen Hand hielt sie eine Zigarette auf eine Art, wie sie mich an alte Schulfreunde erinnerte.

Wichtig, selbstbewusst, aber einfach überhaupt nicht attraktiv. Ich konnte ihr Parfum noch riechen, obwohl sie bereits am S-Bahnhof angelangt war. Zu billig, viel zu süß und viel zu viel. Dienstag Morgen und auf dem Weg zur Arbeit. Ganz das Klischee.

„Worauf warten wir jetzt?“

„Ich weiß es nicht.“

Wenn ich noch eine Minute länger in die Lichter gestarrt hätte, wären mir Tränen die Wange hinuntergelaufen, aber ich habe vorher geblinzelt.

„Kann ich mit zu dir?“

„Warum?“

„Weil ich bestimmt später traurig sein werde.“

„Ich bin eigentlich ganz gerne mal traurig.“

Sein Kopf hing jetzt so weit über der Brüstung, dass ihm das Haar aus dem Nacken vornüber fiel.

Dann gab ich mir einen Ruck und zog ihn sanft an den Schultern hinauf.

„Komm, geh jetzt. Das führt zu nichts.“

„Manchmal musst Du mich einfach umarmen, statt immer so hart zu sein.“

Rot, gelb, grün, rot, gelb, grün…

Dann streichelte ich ihm über seinen Kopf, gab ihm einen Kuss auf die Stirn und schob ihn langsam in die andere Richtung.

„Schlaf gut.“

Ich sah ihm noch ein Stück nach, wie er ohne sich umzudrehen Schritt für Schritt über die Brücke lief. Eins, zwei, drei, vier, fünf,…

Wenn mein Herz nur langsamer schlagen würde.

 

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